Wende – Punkte für Menschen und Unternehmen

FERIENZEIT – URLAUBSZEIT – Zeit zum Regenerieren und neue Ideen entwickeln!

Wir haben einen Teil unserer Urlaubszeit genutzt, um auf dem Jakobsweg zu gehen. Nicht – wie so viele – in Spanien, sondern in Deutschland. Diesmal die Etappe von Ulm nach Konstanz, den oberschwäbischen Jakobsweg. Das lange Wandern, auch mit Gepäck, hilft mir, in die Ruhe zu kommen, Gedanken schweifen zu lassen und mich mit den Fragen meines Lebens auseinander zu setzen.

Auch wenn es jetzt, im Oktober/November, schon recht fern scheint haben wir in diesem Jahr eine besonders heiße Zeit erwischt (mehrfach bis 38°) und viele asphaltierte, schattenlose Wege. Anfänglich war ich mit der Frage beschäftigt, warum ich mir das antue, das drückende Gewicht des Rucksacks, den Schweiß unter dem Sonnenschutz und im Rücken, das bergauf, bergab des Weges, die schmerzenden Füße, das an Leistungsgrenzen gehen usw. Da begegnete mir eine Stele mit folgendem Text:

Freiheit findest Du da, wo Du Dir in Wahrheit begegnest

Nach einigem Nachdenken/Philosophieren stellte ich fest, dass darin ein wesentlicher Teil der Motivation meiner Arbeit liegt.Warum?

Lassen Sie mich die Aspekte einzeln betrachten:

Zunächst die Fragen:

Bin ich nicht frei? Wieso Freiheit finden?

Klar habe ich vertragliche Verpflichtungen für Wohnung, Versicherung, Arbeit,… , …, vielleicht sogar für meine Ehe. Will ich davon frei sein? Das gibt doch auch einen geschützten und geregelten Rahmen! Und man muss sich doch nicht immer über alles neu Gedanken machen! Und in der deutschen Gesellschaft ist Freiheit weitgehend gewährleistet, also wozu dann Freiheit zum Ziel erklären?

Dann fielen mir 2 Aspekte ein, die mir wichtig scheinen:

  • Vereinbarungen können zum Problem werden, wenn die beiden Seiten unterschiedliche Vorstellungen haben. Zum Umgestalten braucht es Klarheit und Konfliktfähigkeit. Klarheit zu den eigenen Motiven und Zielen und ggf. denen des Gegenübers. Und Konfliktfähigkeit beschreibt die Fähigkeit zur Auseinandersetzung, ohne den Überblick zu verlieren. Für beide Aspekte kann eine externe Unterstützung in der Vorbereitung der Entscheidung oder Auseinandersetzung die Ergebnisse deutlich verbessern oder beschleunigen.
  • Es gibt aber auch eine innere Freiheit, eine Freiheit ausschließlich nach eigenen Kriterien zu entscheiden unbelastet von Gewohnheiten, Glaubenssätzen, Projektionen etc. Dass das nicht so einfach ist merken wir jeden Tag aufs Neue, wenn wir mal unsere Entscheidungen überprüfen. Viele der „Bremsen“ in unseren Überlegungen und Entscheidungen sind unterbewusst oder basieren auf Annahmen.
  • Ein anderer Aspekt hierzu ist die Bewegungsfreiheit. Mit zunehmender Zeit habe ich immer mehr Vereinbarungen, Verpflichtungen, Üblichkeiten. Wo und wann kann ich mich dann eigentlich noch bewegen? Wo kann ich noch etwas anders machen als bisher, ohne dass meine „Geschichte“ oder die Erwartungen meines Umfelds mich bremsen? Ist schon alles zugewuchert und was könnte ich vielleicht an ‚Ballast‘ abwerfen? Was ist es, was mich wirklich befriedigt, erfreut oder sogar ‚fliegen‘ lässt? Wo kann ich auftanken, um die täglichen Belastungen zu bewältigen?

Erst mit der Hilfe einer anderen mich reflektierenden Person kann ich diese Bremsen feststellen und dann vielleicht zur Seite legen. Nicht nur hilft das beim Lichten des Gedanken-Dschungels. Zudem gibt es eine höhere Chance, dass die Entscheidung dann länger und besser trägt.

Und was heißt es denn, sich in Wahrheit zu begegnen?

Was ist Wahrheit?

Im Unternehmensumfeld sagt man einerseits: Zahlen lügen nicht. Andererseits aber auch: Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Und dann gibt es noch den Satz: Wahrheit ist sehr relativ. Und es gibt noch mehr, das mich hindert tiefer zu gehen. Habe ich nicht mein Leben bisher recht erfolgreich gelebt? Habe ich nicht die Einflussgrößen gut im Blick und manage Leben erfolgreich? Solche und ähnliche Annahmen und Glaubenssätze oder sogar Selbsttäuschungen erschweren einen echten Blick auf mich.

Schritte zur Klärung

Eine erste Frage ist die, wie tief ich gehen will. Gewöhnlich schaue ich ja eher nach vorne, kümmere mich um Probleme und Herausforderungen, die „das Leben so mit sich bringt“. Aber auf dieser Ebene stelle ich mich eher nicht in Frage.

Dann kommen Themen, für die eine Veränderung notwendig ist. Zunächst mag es mit leichten Verbesserungen gehen. Da lässt sich schnell etwas finden, wie bessere Organisation, mehr Konzentration oder ähnliches. Im Unternehmenskontext nennt man das low hanging fruits (tiefhängende Früchte ernten) oder wie manche Berater sagen: 10% geht immer.

In einem nächsten Schritt wären dann schon tiefere Analysen notwendig, bei denen Verfahrensweisen in Frage gestellt werden: Was für Auswirkungen hat dieses oder jenes Verhalten? Lassen sich Abläufe oder Beziehungen auch anders gestalten? Wie würde sich das auswirken? Im Unternehmenskontext nennt man das dann z.B. Re-engineering, Re-designing.

Ein weiterer Schritt zur Vertiefung wäre dann der Wechsel der Blickrichtung: Ich schaue auf mich und mein Verhalten oder mein Umfeld mit anderen Augen und stelle mich wirklich in Frage. Das verlangt sehr viel Disziplin und normalerweise auch sicherlich externe Unterstützung. Denn da stehen immer sehr viele innere und äußere Widerstände, Selbstverständlichkeiten und Normalitäten im Wege, die manches Mal einer genauen Prüfung nicht unbedingt standhalten. Im Unternehmenskontext nennt man das Re-Framing und stellt die Frage, ob die Aktivität des Unternehmens noch zu den Rahmenbedingungen und Anforderungen seines Umfelds (Markt, Gesellschaft, Politik) passt.

Der tiefste Schritt ist es, den Kern meiner Ziele, meine innerste Motivation anzuschauen mit der Frage, was kann sich daraus für die Zukunft entwickeln, wofür werde ich vorbereitet? Ein ähnlicher Schritt ist auch für Unternehmen denkbar und wurde bereits realisiert.

Diese Varianten von „sich in Wahrheit begegnen“ zeigen schon, dass Schritte zu innerer und äußerer Freiheit nicht einfach sind und vielen Widerständen begegnen. Die Arbeit auf diesem Weg ist nicht leicht (oft sogar schweiß- und tränentreibend), aber wenn sie zu dieser inneren und äußeren Freiheit führt, absolut lohnenswert. Denn: was wäre schöner, als wenn man die Luft unter den Schwingen fühlt und die Kraft, sich in die Luft zu erheben und sich nicht immer wieder in Kleinigkeiten des Lebens zu verfangen.

Insofern sind Menschen, die sich auf einen Weg der Veränderung begeben und dazu externe Unterstützung in Anspruch nehmen, nicht solche, die ihr Leben nicht gemanagt kriegen. Sie sind auf dem Weg in die persönliche Freiheit.

Im Nachgang zu diesem Artikel hat mein Freund Robert Gedanken zu dem Thema Content Marketing erstellt. Hier geht es zu diesen Reflektionen.

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